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Ausgabe #66
Juli 2015

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Wenn der Urhahn schleift

auerhahn

Nachdem sich die Ausgabe 60 der ‚Hupe‘ mit dem Kiebitz befasst hat, habe ich gefragt, ob ich dieses Thema weiterführen könnte und ein paar Wörter zu einem unserer interessantesten Tetraonen, dem Auerhahn (Tetrato urogallus), schreiben dürfte. Die Redaktion sagte Ja und hier ist das Ergebnis!

Der Auerhahn, der zu den so genannten Raufußhühnern zählt (wie seine kleineren Verwandten, das Birk- und Haselwild),  hat eine auffallende Größe, eine dunkle Färbung und einen fächerartigen Stoß. Starke Exemplare erreichen eine Flügelspanne von 1,30 m und wiegen 5 kg. Die Hennen spannen etwa 1 m und sind bedeutend leichter. Das Auerwild zählt zum Hochwild und durfte somit in der Vergangenheit nur von dem hohen Adel bejagt werden. In der BRD steht das Auerwild, da es noch viel zu selten vorkommt, zu Recht ganzjährig unter strengstem Jagdschutz.

Was macht den Urhahn so spannend? Seine Balz! Im April sammeln sich die Hähne auf traditionellen Balzplätzen im Bergwald und eine Rangordnung wird unter den Hähnen ausgekämpft. Erst dann beginnt der Auerhahn mit seinem Balzlied, welches die Hennen beeindrucken soll. Das Lied besteht aus vier Teilen: dem rhythmischen „Knappen“, welches immer rascher wird (Triller), dem Hauptschlag und danach dem Schleifen. Während des Schleifens ist der Hahn eine auffallende Erscheinung – er streckt den Kopf nach oben, fächert die Stoßfedern und senkt die Schwingen. Dieses Balzlied setzt der Auerhahn eine Stunde vor Sonnenaufgang an. Wer schon einmal an einem Morgen im April, wenn die noch zarte Frühlingssonne die glitzernden Schneereste im Hochwald langsam gold werden lässt, den uralten Minnesang des Auerhahns von einer moosbewachsenen Wetterfichte vernimmt, der hat ein Stück unverfälschter, wilder Natur genießen dürfen, mitten im dicht bevölkerten Europa. Wer ein ursprüngliches Naturerlebnis sucht, muss nicht immer zwangsweise nach Kanada oder Sibirien!

Gibt es noch Auerwild bei uns? Hierzu ein vorsichtiges „Ja.“ Im Gegensatz zu den „Kulturfolgern“, wie Fuchs und Reh, welche von den Menschen in vielerlei Hinsicht profitieren, sind die Waldhühner scheue „Kulturflüchter“. Das bedeutet, dass sie ungestörte, zusammenhängende Waldgebiete zum Überleben brauchen. Da sie sich zudem von Knospen und Beeren ernähren, benötigt das Auerwild auch Heidelbeerkraut in großen Mengen. Diese Voraussetzungen findet man (noch) in Deutschland im Schwarzwald, im Bayerischen Wald und am nördlichen Alpenrand. Aber besonders im Schwarzwald droht eine „Verinselung“ der Vorkommen, da der Lebensraum des Auerwildes durch Straßen und Siedlungen zerschnitten wird. Diese Verinselung ist eine Gefahr für die überlebensnotwendige genetische Vielfalt einer Spezies. Auch Dachs, Fuchs, Wildschwein, Waschbär, Habicht und Co. machen es dem friedlichen Vogel aus dem Hochwald nicht leicht, da sie gerne das Gelege und die Auerküken fressen. Auch die „neuen“ Sportarten, wie Schneeschuhgehen und Schitourengehen, bringen sehr viel Unruhe in den einst einsamen, winterlichen Bergwald mit der Folge, dass das Auerwild kaum noch geeignete Lebensräume finden kann.

Ich hoffe, dass sich diese prächtige Wildart wieder bei uns langfristig behaupten kann, trotz der Herausforderungen unserer technologisch-geprägten, modernen Welt. Das Auerwild ist ein Stück Wildnis und es wäre schade, wenn eines Tages die stillen Wälder nicht mit dem Liebeslied dieses edlen Vogels ertönen würden.

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