Aktuelle Ausgabe


Ausgabe #66
Juli 2015

Preis: 1,50 €
Ein großer Teil zum Thema Drogen, viele Interviews und weitere Artikel rund ums MvLG sind jetzt für nur 1,50 € auf dem Pausenhof erhältlich!
Logo - Die HUPE

MvLG – IVC Schüleraustausch USA 2012

Wir haben hier WLAN!

usabild

Koblenz, 19. September, MvLG, 2:45h. 21 verschlafende Gesichter plus Eltern, Lehrer und unzählige Wochen Vorfreude. So trafen wir uns an diesem besagten Mittwochmorgen, um unseren Austausch mit einer Busfahrt zum Frankfurter Flughafen zu starten.

Endlich am Flughafen angekommen, luden wir das Gepäck aus und sammelten uns vor dem Gate. Wirklich eine Frechheit, dass es um halb 6 Uhr morgens nicht besetzt war! Nach zwei weiteren Stunden gespannten Wartens begann endlich der Boarding-Prozess. Einige peinliche Befragungen, Betastungen und Gepäckdurchsuchungen später stand unserer Reise nichts mehr im Wege. Juhu! Ab ins Flugzeug!

Wie gut, dass nur ein kleiner Teil der Gruppe an Flugangst litt und die gesamten 9 Stunden Reise nur selten von Angstschreien oder dem gequälten Aufbrüllen leidgeplagter „Händchenhalter“ gestört wurden. Auch Frau Fröhlich und Herr Schultheis schlugen sind erstaunlich gut und wirkten kaum gereizt!

Kaum in Chicago gelandet und am Gate angekommen übertönte ein hysterischer Ruf den allgemeinen Lärm des Flughafens O’Hare, ein Ruf, der unseren gesamten Aufenthalt prägen sollte:
„WIR HABEN HIER W-LAN!“. Hektisch wurden Handys gezückt, Facebookfeeds aktualisiert und WhatsApp-Nachrichten verfasst. Wie oft wir uns noch über die freien WiFi-Netze freuen sollten, war jetzt noch nicht abzusehen. Aber ich schweife ab…

Endlich begaben wir uns zum Anschlussflug und erstarrten, als wir das Flugzeug sahen. Nicht vor Ehrfurcht. Im Gegenteil. Selbst gestandenen Vielfliegern wie Frau Fröhlich oder Melanie brach der Schweiß aus. Eine knapp 20 Meter lange und gefühlte zwei Meter breite Blechbüchse erwartete uns.

Doch der Flug war nicht so schlimm, wie wir es erwartet hatten. Er war schlimmer. Selbst die gestandenen Atheisten der Gruppe entsandten Stoßgebete in Richtung Himmel, als der Flieger zur Landung aufsetze. Einen entsetzten Aufschrei von Paula später waren wir endgültig angekommen. Tschüss Koblenz – Hallo Chillicothe!

Übermüdet und mittlerweile weniger hochmotiviert als zu Beginn  trafen wir auf „unsere Amis“. Uns wurde ein Empfang beschert, wie ihn sich jeder Filmstar wünschen würde. Es wurde geschrien, geklatscht, gelacht und geweint. Nur der rote Teppich fehlte…

Anfängliche Kommunikationsschwierigkeiten wurden schnell überwunden und es ging endlich, endlich, endlich in die Gastfamilien. Wir sprechen wohl für alle, wenn wir sagen, dass man kaum herzlicher in eine Gastfamilie aufgenommen werden kann, als es uns widerfahren ist. Eine fast schon erschreckend gute Laune und Gastfreundschaft wurde uns entgegengebracht und machte es uns einfach, den Aufenthalt zu genießen.

Wie freundlich die Amerikaner sind, zeigte sich erneut am nächsten Tag, unserem ersten Schultag. Überall in der Schule wurden wir mit einer Freundlichkeit begrüßt, die wir aus Deutschland absolut nicht kannten! Nachdem wir uns durch Hunderte von „Oh my gosh, you’re German!“, „How are you doing?“s durchgewühlt hatten, konnten wir in den Tag starten.  Neben dem Unterricht, der uns einiges an Wissen bezüglich der Geschichte der USA und natürlich auch über Abraham Lincoln  vermittelte, unternahmen wir zahlreiche Ausflüge, die uns dieses fremde Land näher bringen sollten.

Der erste führte uns nach Peoria, der nächstgrößeren Stadt. Dort besuchten wir den Bass Pro Shop, ein Laden, der sich in Sachen Outdoor-Equipment, Angelbedarf und Jägerutensilien definitiv nicht verstecken musste. Auch das Essen war besonders: Wann hat man schon mal die Möglichkeit Alligatorenfleisch zu essen? Nach 1,5 Stunden Aufenthalt stiegen wir alle wieder in den Schulbus um nach 10-minütiger Fahrt eine Werksführung bei Caterpillar, dem Weltmarktführer im Bereich der Herstellung von Bulldozern, Baggern und Muldenkippern zu bekommen. Die Führung gab uns sowohl einen tiefen Einblick in die Historie, als auch in die faszinierende Produktion der teilweise über 110t schweren Riesen.

Der nächste Ausflug führte uns mal wieder auf die Spuren des 16. Präsidenten der USA, Abraham Lincoln. In Springfield besuchten wir zuerst einen Nachbau der ärmlichen Siedlung, New Salem, in der Lincoln aufgewachsen war. Zu sehen waren einige Häuser aus Lehm und Holz, die uns vermittelten, wie hart das Leben damals gewesen sein musste. Bevölkert wurde dieses Freilichtmuseum von in Gewänder gehüllten Arbeitern, die ihren verschiedenen Tätigkeiten nachgingen. Nach diesem vielversprechenden Einstieg fuhren wir nach Springfield, Illinois, wo wir uns zuerst das New State Capitol anschauten, in dem auch schon Präsident Obama vor seiner Präsidentschaft gewirkt hat.

Danach begaben wir uns zum Höhepunkt des Tages, dem Abraham Lincoln Library and Museum, einem erstklassigen Museum. Dort wurde für uns Abraham Lincolns Leben auf eine faszinierende Weise anschaulich dargestellt. So wurden Filme und Animationen z.B. zum Civil War oder auch zu Lincolns Kindheit gezeigt. Auch nicht ausgelassen wurde das Thema, ob man Lincoln wirklich als den Befreier der Sklaven sehen konnte oder nicht. Abgerundet wurde das Museum durch eine Sonderausstellung zum Thema „Medizinische Versorgung im Civil War. Der Tag endete mit dem Besuch des Grabmals Lincolns. Nachdem jeder einmal an die Messingnase der großen Lincolnstatue gefasst hatte (Soll Glück bringen!), begaben wir uns in das Innere des Grabmals. Gespart hatte man nicht, die Böden und Wände waren mit Granit, die Decken mit Platin und Gold verkleidet. Lincolns Sarkophag an sich befand sich jedoch unter 3 Metern Beton, da es mehrere Versuche gegeben hatte, ihn zu stehlen.

Neben unseren zahlreichen Exkursionen erlebten wir auch viele Dinge in Chillicothe selbst. So hatten alle Gasfamilien ein  tolles Picknick, die Sonne schien und es gab ein Fußballspeil zwischen Amerikanern und  uns Deutschen. Das Ergebnis zeigte eindeutig, dass Übung eben immer noch den Meister macht.

Ein anderer Programmpunkt in Chillicothe selber, war ein Frühstück, welches wir zusammen mit den Rotariern, unseren amerikanischen Sponsoren, einnahmen. Es wurden Reden gehalten,  Geschenke ausgetauscht und es gab ein hervorragendes Frühstück, dem es an nichts fehlte. Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal für die Gastfreundschaft und die Herzlichkeit mit der man uns begegnete bedanken.

Unser letzter Ausflug führte uns in die Hauptstadt des nahegelegenen Nachbarstaates Missouri, St. Louis. Dort besuchten den dort ansässigen Zoo. Die Anzahl der verschiedenen Tierarten war groß; leider hatten wir jedoch recht wenig Zeit, uns den Zoo genauer anzuschauen, da wir unserem Zeitplan aufgrund eines Staus auf der Autobahn schon hinterherhinkten. Danach fuhren wir weiter zur Union Station, dem ehemaligen Hauptbahnhof der Stadt. In den 1940er Jahren war dieser Bahnknotenpunkt im Mittleren Westen der verkehrsreichste Personenbahnhof der Welt, doch verließ der letzte Zug den Bahnhof 1978, aufgrund rapide fallender Passagierzahlen. 1985 wurde dieser dann als Einkaufszentrum wieder eröffnet. Die riesigen Bahnhofshallen bieten ein ganz eigenes Flair.

Nach kurzer Zeit ging es dann auch schon weiter zum Jefferson National Expansion Memorial oder kurz Arch, einem riesigen Bogen aus Metall, von dem man, wenn man sich traute in eine der winzigen Kabinen einzusteigen und in ihr die Fahrt ins Ungewisse anzutreten, einen grandiosen Ausblick über ganz St. Louis hatte.

Und so ging es weiter: Es gefiel uns ausgesprochen gut, dass ein Highlight auf das nächste folgte. Zu schnell kam der Tag unserer Weiterreise nach Chicago. Es folgten ein tränenreicher Abschied und der Flug in einem dieser kleinen Flugzeuge, die wir schon von unserem Hinflug kannten. Nachdem wir in Chicago angekommen waren und erst einmal die  Schattenseiten  des dortigen Verkehrssystems kennengelernt hatten, bezogen wir unsere Zimmer im Hostel. Danach machten wir uns zu einer zweistündigen Stadtführung auf. Wir vieles über die Stahlträgerbauweise, die Aufzugbremse und über die verschiedenen Baustile. Es war inzwischen dunkel geworden und wir hatten großen Hunger, so dass sich die jeweiligen Gruppen eigenständig verpflegten und den Abend aufgrund der großen Müdigkeit auch recht bald beendeten.

Der nächste Tag begann gegen 8:00 Uhr mit dem Frühstück. Danach machten wir uns auf, mehrere Museen zu erkunden. Das erste war das berühmte Shedd-Aquarium. Es war in gewisser Weise mit einem Sea Life zu vergleichen, allerdings war es viel größer. Der nächste Anlaufpunkt war das Field Museum, das seinen Themenschwerpunkt auf  Archäologie und Geologie legt. Leider konnten wir aufgrund unseres begrenzten Zeitrahmens unmöglich alle Exponate individuell betrachten, sondern mussten einige Bereiche des riesigen Museums auslassen.  Am Abend folgte dann einer der Höhepunkte unseres Chicagoaufenthaltes in Form einer geführten Bootstour durch die nächtliche Stadt.  Uns bot sich ein überwältigender Anblick der erleuchteten Skyline und trotz bitterer Kälte genossen wir diesen Ausflug.

Unser letzter, kompletter Tag in The Windy City begann mit dem Besuch des höchsten Gebäudes der Vereinigten Staaten, dem  Willis Tower (bis 2009 Sears Tower genannt). Höhepunkt war der gläserne Skywalk, in dem man durch den Boden bis auf die Straße schauen konnte. Wieder auf Straßenniveau angekommen, begaben wir uns in Richtung des Art Institute of Chicago, einem berühmten Kunstmuseum.  Nichts Interessantes erwartend, fanden selbst die, die keinen blassen Schimmer von Kunst hatten, interessante Exponate. So sind zum Beispiel die Fotoausstellung im Keller, die „Sammlung europäischer Kunst über die Jahrhunderte“ und die Sammlung an  modernen Gemälden hervorzuheben. Am Abend gingen wir alle gemeinsam essen. Es gab die typische Chicago Stuffed Pizza. Die Bezeichnung Pizza im herkömmlichen Sinne traf auf diese Exemplare weniger zu. Es war eher ein springformgroßes, mit Käse, Fleisch und anderen Zutaten gefülltes Gebäckstück, das in seiner Sättigungsintensität selbst den geübtesten Esser in die Knie zwang. Gut gesättigt begaben wir uns danach zu unserem letzten Programmpunkt in den USA, zum Hancock Center: Chicago bei Nacht von oben. Der Anblick der erleuchteten, schnurgeraden Straßenzüge, war gigantisch.

Der nächste Morgen begann mit Kofferpacken und der Abreise zum Flughafen. Lustlos bestiegen wir den Flieger, um nach 9 Stunden gegen 5h morgens im nebeligen Frankfurt zu landen. Eine  wunderschöne Zeit ging viel zu schnell vorüber und wir alle erwarten freudig das nächste Jahr!

Schlagwörter:

Austausch Ghosts Illinois IVC USA