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Ausgabe #66
Juli 2015

Preis: 1,50 €
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Interview mit Herrn Dr. Zimmerschied

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Danke, dass Sie sich bei Ihren vielen Terminen Zeit für uns genommen haben. An welcher Schule waren Sie eigentlich tätig, bevor Sie ans MvLG kamen? Waren Sie schon einmal Schulleiter?
Ich war davor am Marion-Dönhoff-Gymnasium in Lahnstein, dort war ich zwar nicht der Schulleiter, war aber Mitglied in der erweiterten Schulleitung. Unter anderem habe ich dort den G8-Zweig geleitet.

Übt es nicht viel Druck auf Sie aus, in die Fußstapfen eines Herrn Adam zu treten?
Schon, aber dass man Schulleiter wird, überlegt man sich ja vorher. Ich denke, ich werde es sehr anders machen als Herr Adam, allgemein wünsche ich mir, dass es vermieden wird, unsere Arbeit hier zu vergleichen. Es muss, wenn es nach mir ginge, inhaltlich gut sein, was ich hier mache, ich möchte auf keinen Fall Herrn Adam imitieren. Natürlich möchte ich aber meinen Job so gut machen, wie es geht.

Warum haben Sie sich gerade am MvLG beworben?
Ich habe mich tatsächlich gleich hier beworben, da mich die mathematisch-naturwissenschaftliche Ausrichtung und die lange Tradition dieser Schule gereizt hat. Abgesehen davon ist diese Schule nach einem großen Physiker benannt, das gibt es hier in Koblenz nicht oft, und die Physik ist ja praktisch „meine Branche“ (lacht).

Ein ebenfalls wichtiger Grund für meine Entscheidung war, dass das MvLG einen sehr guten Ruf hat und gut organisiert ist. Das bietet viele Vorteile. Außerdem ist Koblenz als Stadt an sich sehr reizvoll.

Warum hat es so lange gedauert, bis tatsächlich feststand, dass Sie die Schulleitung übernehmen?
Erst einmal dauert das Bewerbungsverfahren an sich schon eineinhalb Jahre. Es gab auch verhältnismäßig viele Bewerber. Außerdem muss gesagt werden, dass dieser Posten eine Beförderungsstelle im Beamtendienst ist. Das bedeutet, dass jeder, der sich ungerecht behandelt fühlt, Klage einreichen darf, und das ist hierbei passiert. Ich denke, so kann ich es vorsichtig ausdrücken (lacht).

Was ist Ihnen jetzt schon positiv oder negativ aufgefallen?
Als einen ersten Eindruck kann ich festhalten, dass wir ein super Sekretariat an dieser Schule haben, die Damen die dort sitzen sind äußerst hilfreich und sehr kompetent. Mein zweites Lob gilt Herrn Kirschner, denn das Schulgebäude ist in einem hervorragenden Zustand. All diesen Leuten, die unsere Schule in Schuss halten, gebührt sowieso mehr Anerkennung. Ich kann noch keinen bleibenden negativen Eindruck festhalten, was ich aber vermisse, ist der Kontakt zu Schülern. Momentan habe ich für meinen Geschmack noch zu wenig Unterricht, doch in meinen wenigen Stunden stoße ich auf sehr interessierte Schüler. Auch das kann ich als positiv festhalten.

Was wollen Sie ändern/beibehalten? Wird man dabei Ihre „persönliche Note“ spüren?
Es wäre vermessen, jetzt schon zu sagen, dass ich bereits große Pläne für diese Schule habe. Das kann ich wohl frühestens in 2 bis 3 Jahren sagen. Außerdem gibt es an dieser Schule schon soviele Projekte, da braucht es nicht noch 1000 andere… Ich stelle mir dabei manchmal die Frage, ob das Max-von-Laue nur noch Veranstaltungsort für etliche Projekte ist. Eine Schule als Ort für Bildung scheint eher in den Hintergrund zu rücken. Zuerst muss ich mich damit befassen, was es für Einzelprojekte gibt und wie diese vernetzt sind, dann kann ich mich etwas Neuem widmen. Für den Anfang ist mir jedoch der Umgang mit Kollegium und Schülern wichtig, ich werde mich also fürs Erste auf die ‚persönliche Ebene‘ begeben. Eine Entwicklung der Schule in eine andere Richtung ist für mich zwar durchaus vorstellbar, aber das sind alles nur erste Gedanken dazu.

Wenn Ihnen 20.000€ für Änderungen am Schulgebäude zur Verfügung stünden, was würden Sie damit machen?
Naja, 20.000€ sind für Umbauarbeiten keine große Summe, so etwas kostet gewöhnlich unglaublich viel. Das momentan hässlichste hier sind wohl die Decken im 4. Stock, da wird aber bereits was gemacht, ebenso wie bei den Verdunklungen in den Naturwissenschaftsräumen. Man muss sich in einer Schule auch wohlfühlen, deshalb finde ich muss man bei dringend notwendigen Reparaturen auch ein bisschen etwas ausgeben. Oh, und bei der Klimatisierung im Neubau muss meiner Meinung nach etwas passieren, im Hochsommer steht dort ja immer eine brütende Hitze drin. Am Foyer kann man leider nicht umbauen, aber dort würde ich auch Änderungen vornehmen wollen.

Was halten Sie vom System der Hochbegabtenförderung an unserer Schule?
Hierzu kann ich sagen, dass Frau Maus eine hervorragende Arbeit leistet, der Hochbegabtenzweig ist sehr gut organisiert. Man könnte darüber nachdenken, mehr auf eine integrierte Förderung statt auf eine differenzierte, die wir jetzt haben, zu setzen. Dafür dass ich das gesagt habe wird mir Frau Maus wahrscheinlich den Kopf abreißen (lacht)! Es steht natürlich außer Frage, dass das so bleiben wird, das wären nur meine Überlegungen zu dem Ganzen. Ich hätte aber noch ein Anliegen, nämlich dass das Schulgemeinschaftsgefühl noch etwas gestärkt wird. Ich kriege schon jetzt ein Stück weit mit, dass die Hochbegabten etwas abseits von den Regelschülern stehen, durch diesen Zweig wird eine Art Grenze unter den Schülern gezogen. Wir müssen lernen, dass wir EIN Gymnasium sind, wir dürfen uns nicht nur nach außen als ein solches präsentieren, sondern es muss auch innerhalb der Schule diesen Zusammenhalt geben.

Wie stehen Sie zum Thema „Einsatz von Medien im Unterricht“ (auch mitgebrachte Smartphones, Tablets etc.)? Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation?
Nun ja, eine Schule muss meines Erachtens die gesellschaftliche Realität widerspiegeln, und heutzutage wird unser Alltag eben zunehmend digital. Ich finde es prinzipiell gut, dass die modernen Medien Einzug in die Klassenzimmer halten, wir leben nun mal modern, also kann auch der Unterricht modern sein. Wir haben aber natürlich eine ganz klare Regelung, was das Mitbringen von MP3-Playern und die Benutzung von Handys auf dem Schulgelände angeht. Das ist auch sinnvoll, denn es würde dem Lernen und Arbeiten in keiner Weise helfen, wenn wir alle fröhlich auf unseren Smartphones rumtippen würden. So etwas würde den Unterricht nicht fördern, deshalb will ich das natürlich beibehalten. Was eine Überlegung allerdings wert wäre, ist dass wir sagen: „Jeder Schüler bekommt ein Notebook“. Das durchzuziehen kostet allerdings eine Menge Geld und der Schulträger kann dafür nicht aufkommen. Es wäre aber ein guter Ansatz und vielleicht ist das auch irgendwann möglich.

Wie wichtig sind Ihrer Meinung nach die SV und die Schülerzeitung am MvLG? Bekommen diese Einrichtungen zu viele Freiheiten oder sind sie zu eingeschränkt?
Die SV ist eine zentral wichtige Einrichtung an dieser Schule, die Schüler haben durch sie die Möglichkeit mitzubestimmen und das ist ja eine gute Sache. Sie ist auch ein wichtiger Gesprächspartner für Lehrer und Schulleitung. Außerdem bildet die SV auch die Demokratie ab, die wir in Deutschland haben, das heißt dass sie ein Stück weit Mitspracherecht hat und Kritik üben kann. Die HUPE ist für die Meinungsäußerung wichtig, dabei finde ich gut, dass ihr in einer gewissen Tradition steht und euch treu geblieben seid. Wir haben zwar bereits die Homepage als Informationsquelle aber die Schülerzeitung ist da natürlich noch was ganz anderes.

Zu der zweiten Frage muss ich sagen: Weder noch. Für die SV gibt es ganz klare Regeln, aber nicht nur hier an der Schule, denn es gibt ja auch einen rechtlichen Rahmen. Man ist also als Schülerzeitung wie auch als SV an das Gesetz in diesem Land gebunden. Dafür haben beide sehr viele Gestaltungsmöglichkeiten, die sie nutzen können, aber vielleicht auch zuerst einmal rauskriegen müssen. Ihr als Schülerzeitung habt euch ja nun für eine Form der Meinungsäußerung entschieden, ihr bringt die HUPE also in Eigenverantwortung raus. Dadurch gewinnt ihr ein Stück Pressefreiheit dazu, seid aber wiederum dafür verantwortlich, was ihr druckt. Die Schülerzeitung am MvLG hat also einen großen Freiraum, der einige Verpflichtungen mitbringt, die sie aber selbst festgelegt hat.

Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für unsere Fragen genommen haben!