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Ausgabe #66
Juli 2015

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Goldene Kälber

Ein Kommentar von Adrian Sayk

Konnte der Versuch die Mensaumfrage durch überdurchschnittlich häufiges Servieren von Pommes Frites zu beeinflussen nicht eindeutig belegt werden, so ist doch eine weitere Maßnahme zur „Attraktivitätssteigerung“ der Mensa nicht zu übersehen: das Verbot von warmem Essen im Foyer, wo ein Großteil der MSS sich in der Mittagspause, also der Zeit in der man für gewöhnlich warmes Essen zu sich nimmt, zu finden ist. Wann und Wo, fragt sich der Oberstufenschüler, soll denn jetzt das Mittagessen stattfinden?

Es gibt nicht eine Alternative, die nicht andere Probleme mit sich bringt. Natürlich wäre da der Oberstufenraum, doch der fasst ganz sicher nicht alle Schüler, die in ihrer Mittagspause gerne eine angemessene Mahlzeit hätten, um einen Schultag von 8:00 bis 17:00 Uhr überhaupt durchzuhalten. Das Foyer mit seinen zwei runden Tischen und etwa vierzehn Stühlen wird zum logischen Ausweichraum und befindet sich damit ebenfalls am Rande seiner Kapazitäten.

Sein Essen einfach da zu verzehren, wo man es kauft, ist in einigen Fällen sicher eine Lösung, die auch bereits des Öfteren genutzt wird, doch es gibt eben auch Läden, die keine oder nicht ausreichend Plätze für ihren Kundenstrom zur Verfügung stellen können.

Wer also, bei Regen, Schnee, Sturm oder Eiseskälte seinen Döner, seine Pizza oder andere (noch) warme Speisen, ohne zitternde Finger und gegen den Wind hochgezogene Schulter, essen möchte, hat keine andere Möglichkeit, als sich ins Foyer zu setzen.

Dort aber hängt, schon seit dem letzten Schuljahr, ein großes Schild auf dem der Satz zu finden ist: „Im Schulgebäude dürfen keine warmen Mahlzeiten, wie Pizza, Döner usw. verzehrt werden (wir wollen Müll und Geruchsbelästigung vermeiden).“ Dieser Satz ist, wenn man die oben stehenden Punkte betrachtet, blanker Hohn.

Aber es kommt noch besser: eine der Haupterklärungen für das Verbot scheint es zu sein, dass der Anblick des Foyers der erste Eindruck ist, den ein außenstehender von unserer Schule hat. So etwas ekelerregendes und abstoßendes wie essende Schüler muss natürlich jedem Besucher den Eindruck nahelegen, in jeder Ecke türmten sich Müllberge und im Keller wimmele es vor riesigen Ratten die ganz bestimmt die Pest übertragen.

Jeder, der durch den Anblick oder den Geruch warmer Speisen einen schlechten Eindruck von einer Schule gewinnt, auf dessen Meinung sollten vernünftig denkende Menschen keinen Wert legen, denn er hat, wie auch die Schulleitung, offensichtlich noch nicht verstanden, um wen es in einer Schule eigentlich geht.

Die Hauptdarsteller sind und bleiben die Schüler, die einzige Existenzberechtigung die eine Schule hat. Sie ist keine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Lehrer und erst recht kein Aufputschmittel für das, ohnehin unübersehbare, Ego der Schulleitung. Die Schule ist, erzwungen durch die Stundenpläne, der Hauptlebensraum der MSS-Schüler. Wer von 8:00 bis 17:00 Uhr Unterricht hat, also mindestens neun Zeitstunden in der Schule ist, der verbringt also den größten Teil seiner Zeit innerhalb dieser wunderhübschen grauen Wände.

Die Schulleitung sieht das offenbar anders. Sie verbessert lieber ihr Renommee durch Prestigeprojekte wie eine Hochbegabtenschule oder einen unpraktischen „Multifunktionsraum“ anstatt sich um die Belange der sogenannten Regelschüler zu kümmern. Genau in dieses Muster passt das Verbot von warmem Essen, denn es verwandelt das Foyer vom notgedrungenen Aufenthaltsbereich der Schüler in eine „Visitenkarte“, die ganz unmissverständlich klarstellt, dass das MvLG so toll ist, dass seine Schüler nicht zu essen brauchen, sondern sich durch ihr schieres Genie am Leben halten.

Schlagwörter:

Aufenthalt essen Foyer Goldene Kälber Kritik Mittagspause MSS Verbot