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Ausgabe #66
Juli 2015

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Einmal mit einem Astronauten reden

Der ISS-Schülerkontakt

astronaut

Die Erkundung des Weltraums dürfen wir zu Recht als einen der wichtigsten Bereiche der modernen Wissenschaft bezeichnen. Kaum eine Forschungsstation kommt uns so fern vor wie die International Space Station, die in der Höhe von etwa 400 Kilometern im All um die Erde kreist. Und doch war diese am 31.8.2012 für die Schüler des Max-von-Laue-Gymnasiums – zumindest für einige Minuten – fast schon zum Greifen nah.

Ein Interview mit einem echten Astronauten führen: eine ziemlich aufregende Sache. Ein Interview mit einem echten Astronauten führen, der sich im All befindet – das passiert nicht alle Tage! Ein großer Erfolg ist er geworden, der Kontakt mit der International Space Station: ein einzigartiges Gemeinschaftsprojekt von gleich vier Schulen: dem Megina-Gymnasium in Mayen, dem Kurfürst-Balduin-Gymnasium in Münstermaifeld, der Realschule Plus in Mayen- und natürlich dem Max-von-Laue-Gymnasium. Das sorgsam geplante Event fand am 31.8.2012 im Megina-Gymnasium statt. Mithilfe spezieller Technik ließ sich für etwa zehn Minuten der Kontakt mit der Raumstation herstellen, und Schüler aller vier Schulen konnten ihre insgesamt 13 Fragen an den Astronauten Akihido Hoshide stellen – und natürlich gespannt auf die Antworten lauschen.

Im MvLG wie in den zwei anderen kooperierenden Schulen konnte der Kontakt durch eine Livestream-Übertragung von allen Interessierten verfolgt werden, was durch die Unterstützung des DLR (Deutsches Institut für Luft- und Raumfahrt) möglich wurde. Nach dem Abbruch des Kontakts wurden die Antworten auf Englisch von den Schülerübersetzungsteams sofort ins Deutsche übersetzt. Anschließend fand ein Telefonat mit dem zukünftigen Astronauten Alexander Gerst statt, dessen ISS-Aufenthalt 2013 ansteht. Auch ihm wurden Fragen gestellt und er erzählte ausführlich von seinem Training und Vorbereitungsprogramm auf das Leben und Arbeiten im Weltall.

Hinter diesen zehn Minuten standen Monate von intensiven Planungen, Absprachen und Übungen. Die Idee für das Projekt kam von Herrn Thomas Leister. Der Vater eines Schülers des Megina-Gymnasiums ist ein begeistertes Mitglied des Deutschen Amateur Radio Clubs. Er initiierte den Kontakt, bediente und installierte auch schließlich die dazu nötige Technik – und das gleich zweimal. Die komplette Apparatur war nämlich doppelt vorhanden, für den Fall, dass ein Gerät ausfallen sollte.

In unserer Schule koordinierten das Projekt Herr Hebestedt, Herr Dr. Keuchel und Herr Dr. Ordowski, die mit viel Eigenaufwand und Engagement diesen Tag an unserer Schule planten und an Dutzenden von Gesprächen, Sitzungen, und Proben teilnahmen.

Das Megina-Gymnasium veranstaltete anlässlich der Verbindung ein ganzes Schulfest unter dem Motto Raumfahrt. Auf die gespannt wartenden Gäste warteten Spiele und Wettbewerbe; kulinarische Spezialitäten wie etwa grüne Alien-Sandwiches gab es außerdem zu bestaunen. Aber auch bei uns wurde gebührend gefeiert! In der Aula fand ein Thementag zu der ISS statt: Infotafeln und Kunstprojekte wurden ausgestellt und Mitmachstände errichtet. So führten etwa Zwölftklässler aus dem Physik-Leistungskurs selbst vorbereitete Experimente zum Thema Freier Fall vor. In einem Quiz konnte man sein Wissen über Weltall und Raumfahrt unter Beweis stellen, und sogar kleine Preise gab es dort zu gewinnen. Auf einer großen Leinwand wurde schließlich über die Liveschaltung das komplette Event mit Spannung verfolgt.

Für die beteiligten MvLG-Schüler fing der Tag schon früh an: Um neun Uhr morgens fuhr der Bus nach Mayen ab, schließlich musste man noch vor Ort viel vorbereiten. Wir bekamen unsere speziell für diesen Anlass bedruckten grauen Missions-T-Shirts. Voller Vorfreude kamen wir schließlich am Megina-Gymnasium an, wo das Schulfest bereits in vollem Gange war.

Die große Bühne, auf der auch die Funkapparatur stand, wurde schon ein paar Tage zuvor in der Gymnastikhalle aufgebaut. Auf einer Leinwand konnte die aktuelle Position der ISS auf der Weltkarte, mit einem roten Kreis markiert, verfolgt werden. Nach und nach füllte sich die Halle mit Gästen. Schließlich ging es mit Begrüßungsreden und Vorstellung des Projektes los. Und um 13:18 wurde es richtig spannend, denn da überquerte die ISS Portugal – und kam in unseren Empfangsbereich! Thomas Leister rief die ISS – und die Fragenstellenden standen mit klopfendem Herzen auf der Bühne. Fast drei Minuten dauerte das Warten auf eine Antwort – und die Nerven waren aufs Äußerste gespannt, denn trotz der intensiven Planung gab es keine Garantie, dass der Kontakt gelingen wird. Obwohl uns diese Wartezeit viel länger vorkam, als sie tatsächlich war, hörten wir auf einmal: „Guten Tag! “ Akihido Hoshide begrüßte uns auf Deutsch: Der Kontakt war hergestellt!

Danach musste es schnell gehen. In einer vorher festgelegten Reihenfolge begaben wir uns nacheinander an die Funkapparatur und stellten Fragen, die von dem Astronauten direkt beantwortet wurden. Wir fragten den Astronauten etwa nach seinem Arbeitsalltag am Bord, den dort zurzeit durchgeführten Experimenten – und dem, was ihm im All besonders gefällt oder was er besonders vermisst. Wir wollten auch wissen, wie die Kometen und Meteoriten vom Weltall aus betrachtet aussehen – prinzipiell nicht viel anders als von der Erde.

In dem insgesamt etwa zehnminütigen Kontakt erzählte uns also Akihido Hoshide viel über das Leben auf der ISS – und zeigte auch mehrmals Sinn für Humor. Als er etwa gefragt wurde, was für ein Gefühl es sei, sich im Weltall zu befinden, antwortete er, man solle unbedingt nach oben kommen und es selber ausprobieren …

In einem speziell vorbereiteten Raum im Untergeschoss wurde parallel dazu an der Übersetzung gearbeitet. Jede teilnehmende Schule schickte ein eingespieltes Übersetzungsteam nach Mayen. Die Antworten auf die jeweils zugeteilten Fragen wurden sofort vom Englischen ins Deutsche übersetzt. Kaum brach der Kontakt ab, als die ISS im Osten hinter dem Horizont verschwand, präsentierten dann die Übersetzer alle Antworten an das Publikum.

In dem anschließenden Telefonat mit Alexander Gerst erfuhren wir aus erster Hand, wie die Vorbereitung auf eine solche Mission abläuft. Er erzählte uns auch Aktuelles über die Forschungsarbeiten auf der ISS und berichtete von seinem Werdegang als zukünftiger Astronaut. Dieses Interview bereicherte die Veranstaltung und rundete sie perfekt ab!

Dieses Kooperationsprojekt war nicht nur das erste seiner Art in Deutschland, sondern auch das erste Schulkontakt mit der ISS in Rheinland-Pfalz. Die sonst übliche etwa dreijjährige Wartezeit bei den Raumfahrtbehörden auf die Veranstaltung wurde in unserem Fall auf nur ein halbes Jahr verkürzt! Dieses Privileg wurde aber auch zu einer echten Herausforderung in der Vorbereitung für alle Beteiligten: Es galt, alles bis ins kleinste Detail genau zu planen, gab es doch nur diese eine Chance, sich mit der ISS zu verbinden. Nicht nur der sehr kurze Zeitrahmen für den Kontakt selbst, sondern auch der noch bis zur letzten Woche vor dem Kontakt unsichere Termin stellte das gesamte Organisationsteam vor die Aufgabe, die hochkomplexe Planung trotzdem flexibel zu halten. Dies ist hervorragend gelungen.

Und so haben die MvLG-Schüler sowie die Lehrerschaft unvergleichliche Eindrücke von diesem Tag mitgenommen. Es war ein einzigartiges Event, an das wir uns auch ein halbes Jahr danach gerne erinnern – und das wir noch lange nicht vergessen werden!

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