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Ausgabe #66
Juli 2015

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Depression.

Depression. Gehört hat davon jeder schon einmal. Schätzungsweise 20% der Bundesbürger waren bereits selbst schon einmal betroffen, die Hälfte ist durch eine Erkrankung im näheren Umfeld mit der Krankheit konfrontiert worden.

Obwohl die Anzahl der Diagnosen jedes Jahr weiter steigt und einige Experten sogar schon von der ‚Volkskrankheit Depression‘ sprechen, wissen doch die wenigsten, was sich eigentlich dahinter verbirgt.

Gerade die Zahl der Diagnosen im Jugendalter nimmt drastisch zu, wobei sich das Erstauftretensalter deutlich nach vorne verschiebt:

Etwa 2% der Kinder im Grundschulalter weisen eine nachweislich depressive Störung auf; ab der Pubertät (ab ca. 13 Jahre) steigt die Zahl der Betroffenen auf 4-8%. Im Alter von 18 haben bereits 15% eine schwere depressive Phase durchlebt, weitere 10% sind akut gefährdet. Statistisch bekannt ist, dass die Dunkelziffer weit darüber liegt.

Gerade im Jugendalter ist eine Diagnose oft besonders schwer zu stellen, da aufgrund der hormonellen Umstellungen Stimmungsschwankungen vermehrt auftreten.

Stimmungstiefs, Niedergeschlagenheit und Traurigkeit gehören ebenso zur menschlichen Gefühlswelt wie Euphorie und Zufriedenheit.

Negative Emotionen sind notwendig!

So helfen uns beispielsweise Trauerreaktionen dabei, einen Verlust zu verarbeiten. Gerade im jungen Alter ist das Trauern bei Verlust meist ausgeprägter und hält länger an.

Der große Unterschied zwischen einer normalen Trauerreaktion und einer Depression liegt vor allem in dem herabgesetzten Selbstwertgefühl, das die depressive Person entwickelt. Allgemein empfinden depressive Menschen dauerhaft ein Gefühl der Hilflosigkeit, der Überforderung und fühlen sich überflüssig und machtlos.

Andreas Steinhöfel erklärt es in dem Kinderbuch ‚Rico, Oskar und die Tieferschatten‘ sehr schön: „Eine Depression ist, wenn all deine Gefühle im Rollstuhl sitzen. Sie haben keine Arme mehr und es ist leider auch gerade niemand zum Schieben da. Womöglich sind auch noch die Reifen platt. Macht sehr müde.”

Bei einer Depression hält dieser Zustand der negativen Gefühle dauerhaft an. Dabei kommt es gleichzeitig zu einer Veränderung der Gedanken und Verhaltensweisen bis hin zu körperlichen Symptomen wie beispielsweise Rückenschmerzen, Erkältungsanzeichen, etc. Das alles führt zu einer drastischen Beeinträchtigung der Alltagsbewältigung. 

Symptome einer Depression setzen sich aus drei wesentlichen Aspekten zusammen, wobei nicht alle gleichermaßen stark oder überhaupt ausgeprägt sein müssen.

Gefühle und Gedanken
Die meisten sind oft niedergeschlagen, reizbar bis mürrisch und reagieren teilweise ungewöhnlich agressiv. Es werden immer wieder starkte Stimmungsschwankungen beobachtet sowie anhaltend fehlendes Interesse und Freudlosigkeit.

Ein geringes Selbstwertgefühl, starkte Selbstzweifel und Schuldgefühle prägen die Gedankenwelt des/der Betroffenen ebenso wie Hilfs- und Hoffnungslosigkeit sowie Pessimismus bis hin zu suizidalen Gedanken.

Verhalten und Leistung
Aufgrund von verminderter Konzentration und Denkstörungen ist die Merkfähigkeit deutlich beeinträchtigt und Entscheidungen fallen schwerer. Infolgedessen kommt es oft zu einem (massiven) Leistungseinbruch in der Schule. Daneben wird auch häufig eine Verlangsamung der Motorik und der Sprache beobachtet. Es kommt oft zu einem Rückzug aus dem sozialen Umfeld: Freunde und Familie werden dabei ebenso gemieden wie der Schulbesuch oder die Arbeit.

Körperliche Bereiche
Die betroffene Person selbst ist permanent müde, antriebslos bis hin zur Apathie und leidet unter Schlafstörungen. Letzteres kann sich durch Albträume und häufiges Aufwachen bis zu absoluter Schlaflosigkeit, aber auch durch ständiges Schlafen ausdrücken. Hinzu kommen ein verminderter oder gesteigerter Appetit und diffuse Schmerzen. Einige konsumieren vermehrt sowohl legale als auch illegale Drogen oder neigen zu selbstverletztendem Verhalten.

Ebenso unterschiedlich wie die Symptome ist auch die Erkrankung an sich. Man unterscheidet vier Haupttypen:

1) Depressive Episode (Major Depression)
Die Kernsymptome sind starke Stimmungsbeeinträchtigungen, der Verlust von Freude und Interesse, begleitet von zusätzlichen emotionalen, kognitiven und körperlichen Verhaltenssymptomen. Oft fühlt sich die betroffene Person vor allem morgens schlecht.

Sie hält mindestens zwei Wochen an, häufig aber mehrere Monate. Sie kann als einmalige depressive Phase auftreten, aber auch wiederkehren.

2) Dysthyme Störung
Hier spricht man von einem leichten Schweregrad mit chronischem Verlauf. Sie hält mindestens ein Jahr an.

3) Manisch-depressive Störung
Phasen der extremen Niedergeschlagenheit und Antriebsmangel wechseln sich mit euphorischer Hochstimmung und Antriebsüberschuss ab. Dies tritt bei Kindern und Jugendlichen eher selten auf.

4) Gemischte Störungsbilder
Gerade bei Kindern und Jugendlichen treten depressive Störungen häufig zusammen mit anderen auf, wie beispielsweise Angststörungen, AD(H)S, Essstörungen oder Drogen- und Alkoholmissbrauch.

Ursachen für eine Depression sind noch nicht ganz erforscht. Nach jetzigem Stand ist jedoch klar, dass es immer ein komplexes Zusammenspiel von biologischen und psychosozialen Faktoren sind, die sie auslösen. Diese können z. B. ein nicht verarbeiteter Verlust ebenso wie Mobbing oder familiäre Probleme sein.

Depressive Kinder und Jugendliche werden leicht übersehen, da es eine leise Störung ist. Betroffene erzählen kaum von sich aus, dass es ihnen schlecht geht. Die Symptome werden oft geleugnet und das immer mehr, je schlimmer die Krankheit wird. Da vor allem bei jungen Menschen eine Depression häufig mit anderen Problemen einhergeht, wird sie oft von Erwachsenen übersehen. Es ist gerade für Eltern schwer zu unterscheiden, ob die Stimmungsschwankungen pubertär bedingt oder ob sie die ersten Anzeichen einer Depression sind. Oft wird der emotionale Druck, den Kinder und Jugendliche erleben, heruntergespielt und dabei oft vergessen, dass sie nicht so denken wie Erwachsene und das auch nicht erwartet werden kann. Auch haben viele Angst vor einem Statusverlust, wenn man sich eingesteht, dass man selbst oder das eigene Kind depressiv ist.

Leider glauben viele heute immer noch, dass Depression einfach ein Zeichen von Schwäche ist. Man entspricht schlicht nicht den Anforderungen, ist einfach zu faul, lässt sich gehen, ist zu schwach und verweichlicht. Man muss sich halt mal zusammenreißen und aufraffen, heißt es immer wieder. Doch genau das können die Betroffenen nicht!

Eine Depression sollte ernst genommen werden. Mir ist klar, dass man als Angehöriger hilflos zusehen muss und keine Macht hat, an den Depressiven herankommen zu können. Vorwürfe bringen allerdings gar nichts, im Gegenteil.

Ein Depressiver lässt sich nicht mutwillig hängen und will Mitleid.

ER KANN NICHT ANDERS! ER IST KRANK!

Unverständnis und Vorwürfe treiben ihn nur noch tiefer in Selbstzweifel und Depression.

So in einem Blog-Eintrag zu lesen (www.nonalicious.wordpress.com/2012/02/02/als-ich-einmal-eine-depression-uberlebte-und-erst-nicht-wusste-dass-es-eine-ist/).

Eine Depression ist in jedem Fall ernst zu nehmen, da sie unbehandelt tödlich enden kann!

Ines Heinz vom Deutschen Bündnis gegen Depressionen e.V. sagt: „Depression und Suizid sind zwei miteinander in starkem Zusammenhang stehende Phänomene. Ein Großteil der jährlich ca. 10.000 Suizide in Deutschland ist auf eine nicht optimal behandelte Depression zurückzuführen.“

Hilfe finden Betroffene, Freunde und Familie bei vielen Stellen. Neben dem Hausarzt kann auch der Schulpsychologische Dienst – an unserer Schule ist Frau Dahmer Ansprechpartnerin – Anlaufstelle sein. Aber auch Frau Baron bietet ersten Rat an unserer Schule an. Des Weiteren gibt es viele Foren und Stiftungen, die einen beraten. Um einen Termin bei einer Psychologin oder einem Psychologen kommt man in der Regel aber nicht herum. Da hier die Wartezeiten meist immens sind, ist es ratsam, so früh wie möglich Kontakt aufzunehmen. Falls die Wartezeit alleine schwer zu überbrücken ist, findet man in der Regel auch ein Angebot an kürzerfristigen Begleitungen bei der städtischen Jugendhilfe oder ähnlichen Einrichtungen.

In extremen Fällen, beispielsweise bei einem Suizidversuch, erfolgt eine stationäre, mehrwöchige Behandlung. Meist wird nicht nur medikamentös, sondern auch verhaltenstherapeutisch und tiefenpsychologisch behandelt. Dabei ist ein stabilies, unterstützendes Umfeld eine große Hilfe, auch wenn dieses erst nach und nach enger in die Therapie einbezogen wird.

Im Idealfall jedoch wird eine Depression frühzeitig erkannt, so dass eine medikamentöse Behandlung nicht notwendig ist.

In einer Thearpie werden den Patienten, neben der Medikation, oft auch Übungen gezeigt, mit deren Hilfe sie sich selbst stabilisieren können, sei es durch Atemübungen oder Traumreisen. Auch lernen sie, genau auf sich und ihren Alltag zu achten. So können beispielsweise Stimmungstagebücher sogenannte Trigger, also Auslöser für negative Gefühle, aufzeigen. Hier muss der Patient akribisch die Aktivitäten des Tages beschreiben und die Gefühle, die er dabei hatte.

Bei einem völligen Zusammenbruch muss die depressive Person meist erst ein normales Leben wieder lernen. Eine betreute und schrittweise Wiedereingliederung in Kombination mit einer Therapie hilft den meisten Patienten.

Ganz wichtig ist auch, dass der oder die Betroffene offen mit den behandelnden Ärzten redet. Nur wenn eine offene, ehrliche und direkte Komminukation existiert, kann eine Therapie erfolgreich sein. Fühlt sich der Patient mit einer Therapie unwohl oder merkt auch nach einiger Zeit keine Veränderung, so muss dies besprochen werden. Lügen bringt absolut nichts, denn so kann kein anderer Ansatz gesucht werden.

Die Behandlung kann ein sehr langwieriger Prozess sein, bei dem die Betroffenen oft immer wieder Rückschritte machen. Doch Verständnis und Rückhalt im Umfeld können diesen Prozess sehr positiv unterstützen.

Niemand, der depressiv ist, hat sich das ausgesucht. Die Betroffenen würden fast alles dafür geben, aus dem erdrückenden, lähmenden und erschreckend dunklen Gedankenstrudel auszubrechen, statt immer wieder und weiter hineingezogen zu werden, doch ohne Unterstützung ist das oftmals nicht möglich.

Deshalb ist es besonders wichtig, dass man mit dieser Problematik sensibel umgeht!

Verletzt sich jemand selbst, nehmt es ernst! Und bitte lasst Sprüche wie „Die ritzt sich doch nur, weil sie Aufmerksamkeit will!“ Erstens: ‚Ritzen‘ trifft es nicht im geringsten! Man kratzt nicht nur die Oberfläche an, man schneidet, bis Blut kommt! Und zweitens: Diese Personen sehen oftmals in diesen Momenten keine andere Möglichkeit!

Wisst ihr nicht, wie ihr mit so etwas umgehen sollt? Sucht euch Hilfe! Sprecht mit Eltern, Freunden, Lehrern oder Fachleuten darüber!

Den Schulpsychologischem Dienst erreicht man unter: 0261-37850, Frau Dahmer ist aber auch direkt unter Eleonor.Dahmer@pl.rlp.de zu erreichen.

Weitere Informationen für Betroffene, Angehörige oder Interessierte gibt es u. a. unter: http://www.deutsche-depressionshilfe.de/.

‚Erste Hilfe‘ und ggf. lebensrettende Hinweise findet man unter: http://www.deutsche-depressionshilfe.de/stiftung/erste-hilfe.php.

Selbstverständlich könnt ihr auch gerne eine Mail an hupe@mvlg.de schicken, wenn ihr noch mehr Informationen haben oder eure Meinung zu dem Artikel sagen wollt!

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Aufklärung Depression Schilderung Was Schüler bewegt