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Ausgabe #66
Juli 2015

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Da Vinci oder Rutherford

Ein Kommentar von Adrian Sayk

Obgleich niemand in Abrede stellt, dass die Organisatoren innerhalb der Schule, als auch bei externen Sponsoren, unglaublich viel Arbeit in den neuen Fachraum, 112, gesteckt haben, fallen dem aufmerksamen Beobachter sicher einige Abweichungen von dem auf, was von einem Chemieübungsraum, also einem Raum, dessen Schwerpunkt das praktische Arbeiten ist, zu erwarten wäre.

Die Tatsache, dass man eine spezielle Unterlage braucht, wenn man einen Brenner benutzt, bietet Anlass zur Verwunderung. Die Tischplatten sind, so scheint es, sehr anfällig für Verunreinigungen und zudem schwer zu reinigen. Für einen Tisch in der Chemie stellt sich die Frage, wie sinnvoll der Einbau eines solchen Materials ist.

Aber damit ist das letzte Wort zu den Tischen nicht gesprochen, denn eins kommt noch hinzu: Die Tische sind nicht am Boden befestigt und damit nicht stoßfest. Ein kleiner Stoß und der Tisch wackelt. Und in einem Raum, in dem chemische Experimente durchgeführt werden, sollten Tische davon Abstand nehmen. Wackelt es im falschen Moment, kann nicht nur die Genauigkeit der Experimente durch diese Ablenkung leiden, sondern auch unnötige Risiken entstehen. Es kann immer etwas umfallen, das ist allgemein bekannt, doch je beweglicher ein Tisch ist, desto leichter kommt es dazu.

Damit diese Charakteristika nachvollziehbar werden, ist es wichtig zu wissen, dass es sich erklärtermaßen nicht um einen Chemieübungsraum, sondern um einen Multifunktionsraum handelt. Dieser Raum soll also auch anderen Fächern zur Verfügung stehen. Das Activeboard und die übrige Technik des Raumes können in jedem Unterricht verwendet werden und auch Konferenzen lassen sich in 112 abhalten.

Nun drängt sich die Frage auf, wie sinnvoll ein solcher Multifunktionsraum ist. Wieso muss ein Chemieraum zusätzlich noch als Konferenzraum, Unterrichtsraum für andere Fächer und anderen naturwissenschaftsfremden Zwecken dienen?

Das muss er nicht, und das sollte er vor allem nicht. Die Naturwissenschaften sind ein so weites Feld, dass ein Raum eigentlich gar keine zusätzlichen Funktionen mehr braucht. Schon ein einfacher Übungsraum hat mehr als genug Existenzberechtigung, alles was darüber hinausgeht ist nicht notwendig.

Ja, aber ist es denn nicht toll, wenn man noch mehr bekommt als einen einfachen Übungsraum? Theoretisch schon, doch es kommen nicht einfach zusätzliche Funktionen hinzu, um in deren Genuss zu kommen müssen an anderer Stelle Einschnitte gemacht werden. Die oben genannten Eigenheiten, also die nicht fixierten Tische mit den schnell zu verunreinigenden Tischplatten, sind Zugeständnisse an die Flexibilität, die dabei leider auf Kosten der Zweckmäßigkeit für naturwissenschaftliches Arbeiten gehen.

Die Wissenschaften, sowohl Natur- als auch Gesellschaftswissenschaften, müssen sich immer weiter spezialisieren, niemand kann mehr alles können und alles lernen, wer das versucht bleibt zur Mittelmäßigkeit verurteilt und das gilt auch für Fachräume. Nicht Multifunktionalität, sondern Spezialisierung ist der Weg, den die Wissenschaften, auch in der Schule, zukünftig werden beschreiten müssen.

Die Technik, wie das Activeboard und die Kamera benötigt die Chemie nicht wirklich, man hätte sie also in einem anderen Raum installieren können, der dann tatsächlich allen Fächern zur Verfügung stehen könnte. So hätte man etwas für alle Fächer getan ohne dabei einige einzuschränken, die Raumgestaltung wäre also optimal. Der Raum 112 könnte dann mit Reihen von je drei am Boden befestigten Tischen mit festen und leicht zu reinigenden Tischplatten, Waschbecken und Gasanschlüssen ausgestattet werden. Die breiten Durchgänge zwischen den Tischen würden zusätzlich im Ernstfall eine unbehinderte Flucht von einem der Tische, beziehungsweise dem Chemielehrer ein rasches Eingreifen ermöglichen.

Durch diese Modifikationen des neuen Raumkonzeptes könnte dann der neue Fachraum zu einer noch größeren Bereicherung für die ganze Schule werden.